Granatäpfel
Ebenso wie die pruna damascena mit ihrer purgierenden Wirkung stellten die Granatäpfel (Petr. 31,11), denen man harntreibenden und appetitanregenden Einfluß nachsagte, ein Nahrungsmittel dar, mit dem man hoffte, den Körper zu erleichtern und ihn auf die folgenden Schlemmereien vorzubereiten.
Entwicklung
Die Römer bezeichneten den Granatapfel als malum punicum, punischen Apfel, womit sie ihn fälschlicherweise in die Unterfamilie der Pomoiden einordneten. Der Name erlaubt weiterhin Rückschlüsse darauf, wie die Granate nach Rom gelangte. Wenn auch ihre Ursprungsheimat im Vorderen Orient - in den Regionen Kleinasiens, dem Kaukasus, Armenien und Persien - zu suchen sein dürfte, zeigt "punici mali" (Petr. 31,11) doch, daß der Granatapfel auf dem Weg über Karthago nach Italien gelangte.

Während nur eine bittere und eine süße Sorte ihren Weg nach Rom fanden, geht man heute davon aus, daß in der Zeit des ersten Jahrhunderts nach Christus neun verschiedene Sorten von Granatäpfeln existierten, die nach ihrer Säure eingeteilt wurden. Die großen Ziele der Züchtung waren, die Granate süßer zu machen und kernlose hervorzubringen, wobei nun einige Wissenschaftler so weit gehen, den Römern bei der Kultur der Obstbäume bereits eine - wenn auch unbewußte - Anwendung der Mendelschen Gesetze zu unterstellen, da sie nicht nur mittels Bewässerung und Züchtung, sondern auch durch Veredelung in Form von Pfropfen und Okulieren eine Ertragssteigerung zu erreichen suchten. So gelangte man auch zu der Sorte mit dem Namen apyrenum, die angeblich kernlos sein sollte, in Wirklichkeit jedoch nur ein Granatapfel mit weichen Kernen war.
Nachdem der Baum einmal eingeführt war, setzte er sich aufgrund seiner klimatischen Unempfindlichkeit schnell durch und fand schon bald als ganz normales Obstgartengewächs Anerkennung. In Italien hat er wahrscheinlich nicht zu den allerersten kultivierten Obstfrüchten gehört, doch ist bereits für das 3. Jh. v. Chr. seine Existenz in Rom verbindlich nachgewiesen.
Wie auch in seinen Herkunftsländern genoß das Granatkernobst in Rom große Wertschätzung. Das ist einerseits an der Genauigkeit und Ausführlichkeit der überlieferten Vorschriften über Zucht, Behandlung und Konservierung zu erkennen, aber auch daran, daß der Granatapfel als Straßenname auftauchte. So existierte im frühimperialen Rom im VI. Stadtbezirk eine Lokalitätsbezeichnung ad malum punicum. In einem Haus an dieser Granatapfelstraße erblickte der spätere Kaiser Domitian das Licht der Welt.
Zubereitung
Über die Verwendung der Granate als Nahrungs- bzw. Genußmittel liegen nicht viele Nachrichten vor, was wohl seinen Grund darin hat, daß ihr Gebrauch als selbstverständlich galt und keiner weiteren Erörterung bedurfte. War sie doch bei den Griechen wie bei den Römern ein sehr beliebtes und geschätztes Obst, das auch auf den Tafeln der Reichen erschien und überdies noch eine Rolle als Heilmittel innehatte. Obwohl die Granatäpfel auch in der näheren Umgebung Roms angebaut wurden, waren diejenigen die beliebtesten, die man aus Nordafrika, circa Carthaginem, einführte. Als weitere Gegenden, aus denen besonders geschätzte Granatäpfel kamen, galten der Mysische Olymp und der Tmolos, wo auch heute noch die besten Granaten geerntet werden. Die Granate war allgemein als wohlschmeckend und bekömmlich angesehen, wenn auch einige Früchte, wie etwa die apyrena, blähend wirkten.
Auch beim Granatapfel herrscht keine Einigkeit darüber, in welcher Form er in der Cena Trimalchionis auf den Tisch kam. "... cum granis punici mali" (Petr. 31,11) interpretiert Carcopino als Granatapfelkerne, K. Müller und W. Ehlers übersetzen es lapidar als Granatkernobst und Friedlaender vermutet, daß die Granatäpfel in Scheiben geschnitten aufgetragen wurden.
Heute kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, daß Friedlaender mit seiner Ansicht unrecht hat, da er sich in seinen Ausführungen auf Martial bezieht, der die Granatäpfel mit Rosen vergleicht, dabei aber wohl mehr die Farbe als die Form meint.
Für Carcopinos Theorie spricht, daß es durchaus zum Usus gehörte, Granatapfelkerne in der Sonne zu dörren und dann getrocknet oder geröstet als Imbiß zu verzehren. Diese Theorie halte ich für wahrscheinlicher als die von Müller und Ehlers, da Petron, wenn er wirklich nur Granatkernobst gemeint hätte, auf jeden Fall einen Zusatz über dessen Herkunft eingefügt hätte, um Trimalchio in seiner Protzerei zu entlarven.
Die Konservierungsmethoden, deren vollständige Aufzählung jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, waren durchaus vielfältig. Eine Methode, die Apicius vorschlägt (Apic. 1,18), besteht darin, daß man die Früchte kurz in heißes Meer- oder Salzwasser taucht, bis sie die Farbe verlieren, und so die Fruchthaut härtet. Danach legt man sie drei Tage in die Sonne und hängt sie dann an einem trockenen Ort auf. Vor dem Gebrauch werden die Früchte in kaltes Wasser gelegt und so wieder erweicht. Eine derartige Behandlung machte die Granate lange haltbar, die gewöhnlichste Konservierungsmethode war jedoch die Aufbewahrung in geschlossenen Krügen unter der Erde.
Auszug aus:
http://www.phil.uni-erlangen.de/~p2latein/
petron/vorspeise_cena.html
Ebenso wie die pruna damascena mit ihrer purgierenden Wirkung stellten die Granatäpfel (Petr. 31,11), denen man harntreibenden und appetitanregenden Einfluß nachsagte, ein Nahrungsmittel dar, mit dem man hoffte, den Körper zu erleichtern und ihn auf die folgenden Schlemmereien vorzubereiten.
Entwicklung
Die Römer bezeichneten den Granatapfel als malum punicum, punischen Apfel, womit sie ihn fälschlicherweise in die Unterfamilie der Pomoiden einordneten. Der Name erlaubt weiterhin Rückschlüsse darauf, wie die Granate nach Rom gelangte. Wenn auch ihre Ursprungsheimat im Vorderen Orient - in den Regionen Kleinasiens, dem Kaukasus, Armenien und Persien - zu suchen sein dürfte, zeigt "punici mali" (Petr. 31,11) doch, daß der Granatapfel auf dem Weg über Karthago nach Italien gelangte.

Während nur eine bittere und eine süße Sorte ihren Weg nach Rom fanden, geht man heute davon aus, daß in der Zeit des ersten Jahrhunderts nach Christus neun verschiedene Sorten von Granatäpfeln existierten, die nach ihrer Säure eingeteilt wurden. Die großen Ziele der Züchtung waren, die Granate süßer zu machen und kernlose hervorzubringen, wobei nun einige Wissenschaftler so weit gehen, den Römern bei der Kultur der Obstbäume bereits eine - wenn auch unbewußte - Anwendung der Mendelschen Gesetze zu unterstellen, da sie nicht nur mittels Bewässerung und Züchtung, sondern auch durch Veredelung in Form von Pfropfen und Okulieren eine Ertragssteigerung zu erreichen suchten. So gelangte man auch zu der Sorte mit dem Namen apyrenum, die angeblich kernlos sein sollte, in Wirklichkeit jedoch nur ein Granatapfel mit weichen Kernen war.
Nachdem der Baum einmal eingeführt war, setzte er sich aufgrund seiner klimatischen Unempfindlichkeit schnell durch und fand schon bald als ganz normales Obstgartengewächs Anerkennung. In Italien hat er wahrscheinlich nicht zu den allerersten kultivierten Obstfrüchten gehört, doch ist bereits für das 3. Jh. v. Chr. seine Existenz in Rom verbindlich nachgewiesen.
Wie auch in seinen Herkunftsländern genoß das Granatkernobst in Rom große Wertschätzung. Das ist einerseits an der Genauigkeit und Ausführlichkeit der überlieferten Vorschriften über Zucht, Behandlung und Konservierung zu erkennen, aber auch daran, daß der Granatapfel als Straßenname auftauchte. So existierte im frühimperialen Rom im VI. Stadtbezirk eine Lokalitätsbezeichnung ad malum punicum. In einem Haus an dieser Granatapfelstraße erblickte der spätere Kaiser Domitian das Licht der Welt.
Zubereitung
Über die Verwendung der Granate als Nahrungs- bzw. Genußmittel liegen nicht viele Nachrichten vor, was wohl seinen Grund darin hat, daß ihr Gebrauch als selbstverständlich galt und keiner weiteren Erörterung bedurfte. War sie doch bei den Griechen wie bei den Römern ein sehr beliebtes und geschätztes Obst, das auch auf den Tafeln der Reichen erschien und überdies noch eine Rolle als Heilmittel innehatte. Obwohl die Granatäpfel auch in der näheren Umgebung Roms angebaut wurden, waren diejenigen die beliebtesten, die man aus Nordafrika, circa Carthaginem, einführte. Als weitere Gegenden, aus denen besonders geschätzte Granatäpfel kamen, galten der Mysische Olymp und der Tmolos, wo auch heute noch die besten Granaten geerntet werden. Die Granate war allgemein als wohlschmeckend und bekömmlich angesehen, wenn auch einige Früchte, wie etwa die apyrena, blähend wirkten.
Auch beim Granatapfel herrscht keine Einigkeit darüber, in welcher Form er in der Cena Trimalchionis auf den Tisch kam. "... cum granis punici mali" (Petr. 31,11) interpretiert Carcopino als Granatapfelkerne, K. Müller und W. Ehlers übersetzen es lapidar als Granatkernobst und Friedlaender vermutet, daß die Granatäpfel in Scheiben geschnitten aufgetragen wurden.
Heute kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, daß Friedlaender mit seiner Ansicht unrecht hat, da er sich in seinen Ausführungen auf Martial bezieht, der die Granatäpfel mit Rosen vergleicht, dabei aber wohl mehr die Farbe als die Form meint.
Für Carcopinos Theorie spricht, daß es durchaus zum Usus gehörte, Granatapfelkerne in der Sonne zu dörren und dann getrocknet oder geröstet als Imbiß zu verzehren. Diese Theorie halte ich für wahrscheinlicher als die von Müller und Ehlers, da Petron, wenn er wirklich nur Granatkernobst gemeint hätte, auf jeden Fall einen Zusatz über dessen Herkunft eingefügt hätte, um Trimalchio in seiner Protzerei zu entlarven.
Die Konservierungsmethoden, deren vollständige Aufzählung jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, waren durchaus vielfältig. Eine Methode, die Apicius vorschlägt (Apic. 1,18), besteht darin, daß man die Früchte kurz in heißes Meer- oder Salzwasser taucht, bis sie die Farbe verlieren, und so die Fruchthaut härtet. Danach legt man sie drei Tage in die Sonne und hängt sie dann an einem trockenen Ort auf. Vor dem Gebrauch werden die Früchte in kaltes Wasser gelegt und so wieder erweicht. Eine derartige Behandlung machte die Granate lange haltbar, die gewöhnlichste Konservierungsmethode war jedoch die Aufbewahrung in geschlossenen Krügen unter der Erde.
Auszug aus:
http://www.phil.uni-erlangen.de/~p2latein/
petron/vorspeise_cena.html
jagger - am Donnerstag, 8. Juli 2004, 14:18 - Rubrik: Granatapfel Rezepte