Griechisches Pantheon
Aus 'Klassische Sagen', gesammelt von Gustav Schwab, erschienen im Sigbert Mohn Verlag
Die Götter der Unterwelt und der Erde
Hades oder Pltiton (lat. Pluto), Sohn des Kronos und der Rhea, ist der Herr des Totenreiches, der strenge, unerbittliche, Göttern und Menschen verhaßte Gott, aus dessen schaurigem, ödem Reich es keine Rückkehr gibt. Nur einem so gewaltigen Halbgott wie Herakles gelang es, selbst dem furchtbaren König der Schatten ein Zugeständnis abzuringen. Ihm zur Seite thront seine ehrwürdige Gemahlin Persephone (lat. Proserpina), die Tochter des Zeus und der Demeter, ernst und streng wie ihr Gatte, mit dem sie sich in die Herrschaft über das Totenreich teilt. Aber sie erscheint auch als gütige Versöhnerin, die den harten, unbeugsamen Pluton zuweilen zu milderem Sinne bewegt. Als Persephone einst als Mädchen mit ihren Gespielinnen auf einer Wiese Blumen pflückte, stieg plötzlich Hades mit seinem Rossegespann aus der sich spaltenden Erde hervor und entführte das Mäd-dien in die finstere Unterwelt, wo er es zu seiner Gemahlin machte.
Lange Zeit irrte die untröstliche Mutter Demeter auf der ganzen Erde umher, ihre geliebte Tochter zu suchen. Der König von Eleusis nahm sie gastfreundlich auf; zum Dank gab sie seinem Sohne Triptolemos Weizen und lehrte ihn den Ackerbau, der nun von ihm, zugleich mit ihrem Kult, über die ganze Erde verbreitet wurde. Schließlich verriet Helios, der alles sieht, der verzweifelten Mutter, daß ihre Tochter von Hades geraubt worden war. In ihrem Zorne ließ sie keine Saaten mehr wachsen, bis endlich Zeus sich genötigt sah, dem Bruder die Rückgabe des geraubten Mädchens zu gebieten. Aber schon hatte Persephone von einem Granatapfel gegessen, den Hades ihr gereicht hatte, und war durch den Liebeszauber dieser Frucht dem gewaltigen Herrscher des finsteren Reiches verfallen. Nun entschied der Göttervater, daß Persephone zwei Drittel des Jahres, die Zeit des Blühens und Grünens, bei der Mutter auf der Oberwelt, das übrige Drittel aber, die Zeit der öden, erstarrten Natur, bei ihrem Gatten verbringen solle.
Zu dem Gefolge des Hades gehören die Zwillingsbrüder Thanatos, der Tod, und Hypnos, der Schlaf, sowie die Erinnyen (lat. Furien), die Rachegöttinnen. Charon, der Seelenfährmann, fährt die Seelen der Abgeschiedenen, die von Hermes zur Unterwelt geleitet wurden, in seinem Nachen über die Flüsse Acheron und Styx. Der Eingang zur eigentlichen Unterwelt wird bewacht von dem dreiköpfigen, schlangenhaarigen Höllenhund Kerberos, der keinen, der das Totenreich betrat, zurück an das Licht des Tages läßt. In seinem Richteramte stehen Hades die drei Totenrichter Minos, Rhada-mantys und Äakos zur Seite. Die Seelen der Gerechten werden in die vom Lethestrom, dem Strom des Vergessens, umflossenen seligen elysischen Gefilde gewiesen. Die Frevler hingegen werden in den Tartaros, den schrecklichen Ort der Verbannung gestoßen, wo sie auf mancherlei Weise für ihre Untaten zu büßen haben.
Eine der Unterwelt angehörige Göttin ist auch Hekate, eine Tochter des Titanen Perses. Sie ist die Göttin der Zauberei und alles Nächtlichen; sie ist unheimlich und vermag doch vielerlei Segen über die Familie und den einzelnen zu bringen. Auf ihren nächtlichen Wegen trägt sie Fackeln und wird von heulenden Hunden begleitet; ihr sind die Hunde heilig. Der Göttin Hekate wurde vor allem an den Scheidewegen geopfert. Hekate wurde oft mit Selene, der Mondgöttin, mit Artemis oder mit Persephone gleichgesetzt.
Demeter (lat. Ceres), in der man gleichsam eine Verjüngung der Gäa sah, wurde als Mutter Erde hoch verehrt. In ihr verkörpert sich die segensreiche Kraft der Erde, Gewächse hervorsprießen zu lassen. Daher preist man sie als die freundliche Göttin, die den Blumen, Krautern und Feldfrüchten Gedeihen gibt, als Stifterin des Ackerbaus und somit auch des geordneten Lebens, der bürgerlichen Gesetze und Sitten. Ihr angesehenstes Heiligtum befand sich zu Eleusis in der Nähe von Athen, wo ein ihr geweihter Geheimdienst, die Eleusinischen Mysterien, seinen Mittelpunkt hatten.
Von großer Macht ist der Weingott Dionysos oder Bakchos (lat. Bacchus), der Sohn des Zeus und der Kadmostochter Semele, der an den Verächtern seiner Gottheit schreckliche Rache übt. Dennoch ist er die Wonne der Welt, der durch seine Gabe, den Weinstock, des Menschen Herz erfreut. Seine Mutter Semele hatte von Zeus, ihrem Geliebten, der ihr feierlich die Gewährung eines Wunsches versprochen hatte, verlangt, er möge sich ihr in seiner wahren Gestalt zeigen. Vergebens flehte der Gott sie an, von diesem törichten Wunsche zu lassen, und als er ihr dann im Blitz erschien, verbrannte die unglückliche thebanische Königstochter. Der junge Dionysos wurde von Nymphen erzogen. Während der Überfahrt nach Naxos wurde er von Seeräubern gefangen, die ihn in Italien als Sklaven verkaufen wollten. Doch siehe, plötzlich blieb das Schiff stehen, dem jungen schönen Gefangenen fielen die Fesseln von den Händen, Weinreben und Efeu wuchsen aus dem Schiff und rankten sich um den Mast. Mit Entsetzen erkannten die Schiffer, daß sie sich an einem Gott vergriffen hatten und sprangen ins Meer; doch sowie sie das Wasser berührten, wurden sie zu Delphinen. Man feierte Dionysos durch wildbegeisterte Feste, bei denen Frauen (Mänaden, Bacchantinnen) in heiliger Raserei durch die Wälder und Berge tanzten. Zu dem Gefolge des Dionysos gehören die Satyrn, ausgelassene, halbtierische Gesellen mit platten Nasen und spitzen Pferdeohren. Unter ihnen ist der alte glatzköpfige Zecher Silenos am berühmtesten. Da er nach dem fröhlichen Weingenuß oft unsicher auf den Beinen ist, reitet er auf einem Esel mit.
Unter das Gefolge des Dionysos mischt sich oft auch Pan, der mit Bockshörnern und Bocksfüßen ausgestattete griechische Hirtengott. Pan ist der Sohn des Hermes und einer Nymphe. Seine Mutter war entsetzt, als sie ihren Knaben am ganzen Leibe zottig behaart sah. Hermes aber brachte ihn auf den Olymp, wo die Götter und besonders Dionysos ihren Spaß an dem Kleinen und seinem lustigen Treiben hatten. Pan ist der Erfinder der Syrinx, der aus Schilfrohr gefertigten Hirtenflöte. Er schweift durch die Wälder und über die Höhen und stellt gerne den Nymphen der Berge und Bäume nach. Zur Stunde der Mittagsstille will er nicht in seiner Ruhe gestört sein, sonst kann es sein, daß sich der sonst immer fröhliche Gott urplötzlich mit entsetzlichem Gebrüll zeigt und Mensch und Tier »panischen« Schrecken einjagt. Zur Zeit des Kaisers Tiberius sollen Schiffer von einer griechischen Insel eine Stimme vernommen haben: »Wenn ihr nach Epirus kommt, so ruft: >Der große Pan ist tot!< Als die Schiffer an Epirus vorbeikamen, riefen sie gegen das Land zu, wie ihnen befohlen war; da weinten Felsen, Bäume und Tiere, und ein Klagen brach aus der ganzen Natur.
Quellen und Flüsse, Wälder und Grotten, Berge und Täler sind belebt von den schönen, göttlichen Mädchengestalten der Nymphen. Als Najaden wohnen sie in den Flüssen, Quellen und Teichen, als Oreaden in den Bergen, als Dryaden in den Bäumen; wenn eine Quelle versiegt, wenn ein Baum verdorrt, stirbt auch die Nymphe, die darin ihren Wohnsitz hat. Als Nymphen bezeichnet man auch die vielen anmutigen Töchter des Okeanos und des Nereus, die in der Weite des Meeres spielen.
http://re-ligio.gmxhome.de/Dateien/Griechische_Goetter.htm
Aus 'Klassische Sagen', gesammelt von Gustav Schwab, erschienen im Sigbert Mohn Verlag
Die Götter der Unterwelt und der Erde
Hades oder Pltiton (lat. Pluto), Sohn des Kronos und der Rhea, ist der Herr des Totenreiches, der strenge, unerbittliche, Göttern und Menschen verhaßte Gott, aus dessen schaurigem, ödem Reich es keine Rückkehr gibt. Nur einem so gewaltigen Halbgott wie Herakles gelang es, selbst dem furchtbaren König der Schatten ein Zugeständnis abzuringen. Ihm zur Seite thront seine ehrwürdige Gemahlin Persephone (lat. Proserpina), die Tochter des Zeus und der Demeter, ernst und streng wie ihr Gatte, mit dem sie sich in die Herrschaft über das Totenreich teilt. Aber sie erscheint auch als gütige Versöhnerin, die den harten, unbeugsamen Pluton zuweilen zu milderem Sinne bewegt. Als Persephone einst als Mädchen mit ihren Gespielinnen auf einer Wiese Blumen pflückte, stieg plötzlich Hades mit seinem Rossegespann aus der sich spaltenden Erde hervor und entführte das Mäd-dien in die finstere Unterwelt, wo er es zu seiner Gemahlin machte.
Lange Zeit irrte die untröstliche Mutter Demeter auf der ganzen Erde umher, ihre geliebte Tochter zu suchen. Der König von Eleusis nahm sie gastfreundlich auf; zum Dank gab sie seinem Sohne Triptolemos Weizen und lehrte ihn den Ackerbau, der nun von ihm, zugleich mit ihrem Kult, über die ganze Erde verbreitet wurde. Schließlich verriet Helios, der alles sieht, der verzweifelten Mutter, daß ihre Tochter von Hades geraubt worden war. In ihrem Zorne ließ sie keine Saaten mehr wachsen, bis endlich Zeus sich genötigt sah, dem Bruder die Rückgabe des geraubten Mädchens zu gebieten. Aber schon hatte Persephone von einem Granatapfel gegessen, den Hades ihr gereicht hatte, und war durch den Liebeszauber dieser Frucht dem gewaltigen Herrscher des finsteren Reiches verfallen. Nun entschied der Göttervater, daß Persephone zwei Drittel des Jahres, die Zeit des Blühens und Grünens, bei der Mutter auf der Oberwelt, das übrige Drittel aber, die Zeit der öden, erstarrten Natur, bei ihrem Gatten verbringen solle.
Zu dem Gefolge des Hades gehören die Zwillingsbrüder Thanatos, der Tod, und Hypnos, der Schlaf, sowie die Erinnyen (lat. Furien), die Rachegöttinnen. Charon, der Seelenfährmann, fährt die Seelen der Abgeschiedenen, die von Hermes zur Unterwelt geleitet wurden, in seinem Nachen über die Flüsse Acheron und Styx. Der Eingang zur eigentlichen Unterwelt wird bewacht von dem dreiköpfigen, schlangenhaarigen Höllenhund Kerberos, der keinen, der das Totenreich betrat, zurück an das Licht des Tages läßt. In seinem Richteramte stehen Hades die drei Totenrichter Minos, Rhada-mantys und Äakos zur Seite. Die Seelen der Gerechten werden in die vom Lethestrom, dem Strom des Vergessens, umflossenen seligen elysischen Gefilde gewiesen. Die Frevler hingegen werden in den Tartaros, den schrecklichen Ort der Verbannung gestoßen, wo sie auf mancherlei Weise für ihre Untaten zu büßen haben.
Eine der Unterwelt angehörige Göttin ist auch Hekate, eine Tochter des Titanen Perses. Sie ist die Göttin der Zauberei und alles Nächtlichen; sie ist unheimlich und vermag doch vielerlei Segen über die Familie und den einzelnen zu bringen. Auf ihren nächtlichen Wegen trägt sie Fackeln und wird von heulenden Hunden begleitet; ihr sind die Hunde heilig. Der Göttin Hekate wurde vor allem an den Scheidewegen geopfert. Hekate wurde oft mit Selene, der Mondgöttin, mit Artemis oder mit Persephone gleichgesetzt.
Demeter (lat. Ceres), in der man gleichsam eine Verjüngung der Gäa sah, wurde als Mutter Erde hoch verehrt. In ihr verkörpert sich die segensreiche Kraft der Erde, Gewächse hervorsprießen zu lassen. Daher preist man sie als die freundliche Göttin, die den Blumen, Krautern und Feldfrüchten Gedeihen gibt, als Stifterin des Ackerbaus und somit auch des geordneten Lebens, der bürgerlichen Gesetze und Sitten. Ihr angesehenstes Heiligtum befand sich zu Eleusis in der Nähe von Athen, wo ein ihr geweihter Geheimdienst, die Eleusinischen Mysterien, seinen Mittelpunkt hatten.
Von großer Macht ist der Weingott Dionysos oder Bakchos (lat. Bacchus), der Sohn des Zeus und der Kadmostochter Semele, der an den Verächtern seiner Gottheit schreckliche Rache übt. Dennoch ist er die Wonne der Welt, der durch seine Gabe, den Weinstock, des Menschen Herz erfreut. Seine Mutter Semele hatte von Zeus, ihrem Geliebten, der ihr feierlich die Gewährung eines Wunsches versprochen hatte, verlangt, er möge sich ihr in seiner wahren Gestalt zeigen. Vergebens flehte der Gott sie an, von diesem törichten Wunsche zu lassen, und als er ihr dann im Blitz erschien, verbrannte die unglückliche thebanische Königstochter. Der junge Dionysos wurde von Nymphen erzogen. Während der Überfahrt nach Naxos wurde er von Seeräubern gefangen, die ihn in Italien als Sklaven verkaufen wollten. Doch siehe, plötzlich blieb das Schiff stehen, dem jungen schönen Gefangenen fielen die Fesseln von den Händen, Weinreben und Efeu wuchsen aus dem Schiff und rankten sich um den Mast. Mit Entsetzen erkannten die Schiffer, daß sie sich an einem Gott vergriffen hatten und sprangen ins Meer; doch sowie sie das Wasser berührten, wurden sie zu Delphinen. Man feierte Dionysos durch wildbegeisterte Feste, bei denen Frauen (Mänaden, Bacchantinnen) in heiliger Raserei durch die Wälder und Berge tanzten. Zu dem Gefolge des Dionysos gehören die Satyrn, ausgelassene, halbtierische Gesellen mit platten Nasen und spitzen Pferdeohren. Unter ihnen ist der alte glatzköpfige Zecher Silenos am berühmtesten. Da er nach dem fröhlichen Weingenuß oft unsicher auf den Beinen ist, reitet er auf einem Esel mit.
Unter das Gefolge des Dionysos mischt sich oft auch Pan, der mit Bockshörnern und Bocksfüßen ausgestattete griechische Hirtengott. Pan ist der Sohn des Hermes und einer Nymphe. Seine Mutter war entsetzt, als sie ihren Knaben am ganzen Leibe zottig behaart sah. Hermes aber brachte ihn auf den Olymp, wo die Götter und besonders Dionysos ihren Spaß an dem Kleinen und seinem lustigen Treiben hatten. Pan ist der Erfinder der Syrinx, der aus Schilfrohr gefertigten Hirtenflöte. Er schweift durch die Wälder und über die Höhen und stellt gerne den Nymphen der Berge und Bäume nach. Zur Stunde der Mittagsstille will er nicht in seiner Ruhe gestört sein, sonst kann es sein, daß sich der sonst immer fröhliche Gott urplötzlich mit entsetzlichem Gebrüll zeigt und Mensch und Tier »panischen« Schrecken einjagt. Zur Zeit des Kaisers Tiberius sollen Schiffer von einer griechischen Insel eine Stimme vernommen haben: »Wenn ihr nach Epirus kommt, so ruft: >Der große Pan ist tot!< Als die Schiffer an Epirus vorbeikamen, riefen sie gegen das Land zu, wie ihnen befohlen war; da weinten Felsen, Bäume und Tiere, und ein Klagen brach aus der ganzen Natur.
Quellen und Flüsse, Wälder und Grotten, Berge und Täler sind belebt von den schönen, göttlichen Mädchengestalten der Nymphen. Als Najaden wohnen sie in den Flüssen, Quellen und Teichen, als Oreaden in den Bergen, als Dryaden in den Bäumen; wenn eine Quelle versiegt, wenn ein Baum verdorrt, stirbt auch die Nymphe, die darin ihren Wohnsitz hat. Als Nymphen bezeichnet man auch die vielen anmutigen Töchter des Okeanos und des Nereus, die in der Weite des Meeres spielen.
http://re-ligio.gmxhome.de/Dateien/Griechische_Goetter.htm
jagger - am Donnerstag, 8. Juli 2004, 09:38 - Rubrik: Granatapfel Literatur